Employer Branding im Gesundheitswesen

  • 28. Januar 2019
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Diagnose: Fachkräftemangel. Kaum eine Branche ist von dem grassierenden War for Talents so schwer betroffen wie das Gesundheitswesen. In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und medizinischen Versorgungszentren greift er um sich wie ein Virus. Kann ein ausgefeiltes Employer Branding helfen, das Blatt zu wenden?

 

Die Lage ist drastisch: Bereits vor einem Jahr warnten Experten vor einem massiven Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Der Tenor: Schon 2035 könnten in Pflege- und Gesundheitsberufen rund 270.000 Fachkräfte fehlen. Das geht aus der einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor.

Fest steht: Es muss etwas getan werden und die Zeit drängt. Denn laut der Studie stehen schon „in absehbarer Zeit weder genügend Fachkräfte noch ausreichend Fachfremde zur Deckung des Personalbedarfs zur Verfügung.“ Ein Engpass, der selbst durch längere Arbeitszeiten nicht gelöst werden kann.

 

Gründe für den War for Talents im Gesundheitswesen

Für die stetig sinkende Zahl an Fachkräften im Gesundheitswesen gibt es verschiedenste Gründe:

  • Die Nachfrage nach Pflege- und Gesundheitsleistungen steigt aufgrund einer älter werdenden Gesellschaft.
  • Parallel dazu stehen dem Arbeitsmarkt aufgrund des demographischen Wandels immer weniger Jobanwärter zur Verfügung. Es gibt mehr Ältere und immer weniger Jüngere.

 

Da ist aber noch ein anderer Grund, warum der Gesundheitsbereich mit massiveren Personalengpässen zu kämpfen hat als andere Sektoren. Ihm eilt ein schlechter Ruf voraus. Viele Schulabsolventen fassen ein Studium oder eine Ausbildung in dem Bereich gar nicht erst ins Auge, weil sie fast nur an Negativschlagzeilen gewöhnt sind: Schlechte Jobbedingungen, zu viele Überstunden, überforderte Angestellte, frustrierte Patienten, zu wenig Zeit für Pflege und Behandlung, schlechte Teamzusammengehörigkeit und, und, und.

 

Employer Branding im Gesundheitswesen: Die Grundlagen

Das mag bei einigen Arbeitgebern auch so sein. Die Vorurteile treffen aber längst nicht auf alle zu. Allerdings kehren auch die, die mit positivem Beispiel vorangehen, ihre Attraktivitätsmerkmale nur selten nach außen. Das sollten sie aber, wenn sie Bewerber anlocken wollen.

An dieser Stelle kommt Employer Branding ins Spiel. Employer Branding umfasst die Konzeption und Durchführung von Maßnahmen, die ein für potentielle Mitarbeiter ansprechendes Bild von einem Unternehmen entstehen lassen. Das Ergebnis: Eine unverwechselbare Arbeitgebermarke.

 

Den Status Quo genau unter die Lupe nehmen

Das wirft erstmal Fragen auf. Was müssen Arbeitgeber im Gesundheitswesen für ein gelingendes Employer Branding beachten? Und: Wie am besten vorgehen? Schritt eins: Sie müssen ihren Status Quo genau unter die Lupe nehmen. Denn nur wer seine Stärken kennt, kann auch darüber reden.

Also müssen Fragen wie diese geklärt werden: Was hebt unser Haus, unsere Teams, unsere Kultur, unserem Umgang untereinander und mit Patienten von anderen Arbeitgebern der Branche ab? Für welche Werte steht die Klinik, die Praxis oder Pflegeeinrichtung? Welche Benefits bieten wir als Arbeitgeber jungen Talenten? Darunter können Weiterbildungen, Karrieremöglichkeiten oder Work Life Balance Angebote fallen. Wichtig ist auch: Was dürfen erfahrene Fachkräfte bei uns erwarten? Wie sieht es zum Beispiel mit der Familienfreundlichkeit oder der Bezahlung aus?

 

Employer Branding: Über die eigenen Mehrwerte reden

Sind alle Mehrwerte zusammengetragen, sollte der Arbeitgeber diese publik machen – und zwar überall dort, wo sich Berührungspunkte mit potenziellen Bewerbern ergeben.

 

Hier zum Beispiel:

 

Die Krux: Es besteht viel Verbesserungsbedarf. Gerade in der Online-Welt! Social Media Aktivitäten? Fehlanzeige! Dafür gibt es zwar Karriereseiten und Stellenanzeigen von Gesundheitsbetrieben. Allerdings handelt es sich dabei oft um reine Bleiwüsten. Statt Bild, Text und Bewegtbild erwarten den Bewerber hier nur Textblöcke und lange Bullet Point Listen. Das schreckt vor allem junge Talente ab, die von ihren bisherigen Online-Erfahrungen das genaue Gegenteil gewöhnt sind.

 

Online-Employer Branding im Gesundheitswesen

Häufig liegen diese Versäumnisse darin begründet, dass Arbeitgeber aus dem Gesundheitswesen über zu wenig interne Manpower verfügen, um ihren Online-Außenauftritt zu optimieren. Helfen kann eine Employer Branding Agentur, die die Argumente des Arbeitgebers auf verschiedenen Kanälen in eine online-gerechte Sprache verpackt. Garniert mit ansprechenden Bildern, Grafiken, Videos, Blogeinträgen und, und, und.

Ein gutes Beispiel, wie gut Employer Branding im Gesundheitswesen funktionieren kann, wenn es richtig gemacht ist, kommt von den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken. Der Arbeitgeber entwickelte vor ein paar Jahren die Kampagne „Teamgeist erleben“. Sie stellte den Teamspirit unter den Kollegen, die ausreichend vorhandene Zeit für Patienten, die gute Qualifikation der Mitarbeiter und die im Haus gelebte Wertschätzung in den Fokus. Das Besondere: Diese Mehrwerte wurden mit den eigenen Mitarbeitern in Interviews und Workshops zusammengetragen. Das machte die Kampagne letztendlich auch so authentisch. Jeder steht nämlich hinter ihr.

 

Best Practice: Employer Branding im Gesundheitswesen

Sie umfasste unter anderem Social Media-Aktivitäten, einen modernen unkomplizierten Bewerbungsprozess und eine spezifische Karriereseite, die die Kampagneninhalte abwechslungsreich in Szene setzte und Bewerber gleichzeitig mit den Informationen versorgte, die sie interessieren. Das Herzstück bildete ein spezielles Recruiting-Video. Mit ihm zeigte der Arbeitgeber, dass er in der Multimedia Welt des 21. Jahrhunderts angekommen ist.

Zu sehen sind Mitarbeiter aller Bereiche. Sie machen keine großen Worte. Dafür sieht sie der Bewerber häufig lachen und mit witzigen Transparenten. Das Video strahlt aus: Egal ob in der Pflege, Medizin, Ausbildung in der Pflegeschule, Küche, Technik, Reinigung oder Verwaltung – bei diesem Arbeitgeber haben alle Spaß. Die Aufnahmen waren der Renner der Employer Branding Kampagne, kamen auf beträchtliche Klickzahlen und bescherten so manche Bewerbung.

 

 

 

Employer Branding im Gesundheitswesen: Unbedingt authentisch bleiben

Das Beispiel zeigt: Modernes Employer Branding ist auch in problematischen Arbeitsmarktbereichen sehr gut machbar und kann in der Personalbeschaffung eine positive Kehrtwende bringen. Aber Achtung: Die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken wären mit ihrer Kampagne nicht so erfolgreich gewesen, wenn die Arbeitsbedingungen in ihrem Unternehmen nicht wirklich so wären, wie sie sie nach außen dargestellt haben. Wer als Arbeitgeber keine echten Mehrwerte bieten kann, für den ist Employer Branding keine Lösung. Denn eine gute Arbeitgebermarke lebt von realen Stärken.

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