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Self Assessment – Definition, Beispiele und Vorbereitung

Die Bandbreite an Auswahlinstrumenten in der Personalbeschaffung ist groß. Es gibt Tests, Interviews, Assessment Center und, und, und. Diesen vorgeschaltet sind manchmal Self Assessments. Bei diesem schätzen sich Kandidaten selbst ein, ob sie für einen Job geeignet sind oder nicht.

 

 

Recruitern könnte das Leben leichter gemacht werden, wenn sich nur die Kandidaten auf eine Stelle bewerben, die auch wirklich zu dieser passen. Denn die Spreu vom Weizen zu trennen, kostet Personaler viel Zeit. Die Studie Recruiting Trends 2017 des Staufenbiel Instituts und des Beratungsunternehmens Kienbaum hat gezeigt, dass sich 47 Prozent der Personaler zwischen sechs und 15 Minuten nehmen, um eine Bewerbung zu prüfen.

 

Was ist ein Self Assessment? Eine Definition.

Doch gerade bei Einstiegspositionen fallen die Bewerbungen oft nicht passgenau aus, weil sich Kandidaten selbst noch nicht so gut einschätzen können. Und so verschwendet HR gerade hier in der Tendenz noch mehr Arbeitsstunden, um unpassende Kandidaten auszusortieren. Diese Zeit fehlt bei der strategischen Personalarbeit. An dieser Stelle setzt das Instrument des Self Assessment an – zu deutsch: Selbstauswahl. Die Idee: Bevor Kandidaten überhaupt eine Bewerbung versenden, testen sie selbst, ob sie zum Unternehmen passen oder nicht.

 

Wie läuft ein Self Assessment ab?

Dazu absolvieren sie bestimmte Übungen, die etwa unterschiedliche Personenmerkmale überprüfen oder Aufgaben, die berufs- oder studientypische Aspekte „erlebbar“ machen. Der Kandidat erhält zum Schluss eine Rückmeldung, wie er abgeschnitten hat und eine Empfehlung, ob er auf den Bewerben-Button klicken sollte oder nicht. So finden im Endeffekt Arbeitgeber und Kandidaten zusammen, die wirklich gut miteinander harmonieren.

Bekannt wurden Self Assessments vor allem durch Universitäten. Kein Wunder! Bei über 19.000 Studiengängen, die deutsche Hochschulen inzwischen anbieten, plagt Studierende die Qual der Wahl. Um ihnen diese ein wenig zu erleichtern, bieten ihnen FH’s und Unis vermehrt Self Assessments an, um möglichst realistisch abwägen zu können, ob ein Studiengang wirklich den eigenen Neigungen entspricht oder nicht. Hier dienen Self-Assessments dazu, einen möglichen Studienabbrüche früh zu verhindern.

 

Self Assessments in der Arbeitspraxis

Inzwischen sind Self Assessments auch in der Arbeitswelt verbreitet. In der Praxis kommen sie durchaus gut an. Ebenso wie Studienanwärter stehen auch Jobsuchende heute einer Vielzahl an Angeboten gegenüber und wissen oft nicht, welches für sie das richtige ist. Hier kann ein Self Assessment bei der Entscheidungsfindung durchaus gute Dienste leisten.

Daher befürworten Talente solche Angebote im Bewerbungsprozess durchaus. Laut einer Studie des schwedischen Marktforschungsunternehmens Potentialpark sind vier von fünf Kandidaten, die aktuell noch zur Schule gehen oder die Unibank drücken, an Self Assessments interessiert.

 

Spielerisches Self Assessment

Ein Beispiel dafür ist das Spiel Amtliche Helden, das kostenlos als App aufs Handy geladen werden kann. Es stammt von der Bundesagentur für Arbeit. Und darum geht es: Kandidaten, die sich überlegen, ob sie sich bei der Arbeitsagentur bewerben möchten, übernehmen in dem Spiel die Leitung einer Arbeitsagentur. Und zwar im kleinen und verschlafenen Städtchen Posemuckel.

In der virtuellen Spielwelt gilt der Ort als eine Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Nun geht es in dem Game aber nicht einfach darum, Kandidaten zu vermitteln. Auch Büros müssen auf Vordermann gebracht, Angestellte eingestellt und Abläufe so optimiert werden, dass keiner Bewohner von Posemuckel mehr ohne Perspektive zurückbleibt.

Das verlangt den Spielern clevere Entscheidungen ab, die sie ausarbeiten müssen, um die Stadt und ihre Bewohner aus der Arbeitslosigkeit zu führen. Parallel dazu bekommen Spielende einen Einblick in die internen Abläufe, Berufsbilder, Fertigkeiten und Probleme von arbeitssuchenden Menschen in ganz Deutschland.

 

Ausbildungsfinder: Ausbildung auf Knopfdruck

Nach einem etwas anderen Prinzip funktioniert Elvi´s Ausbildungsfinder des Bundesarbeitgeberverbands der Chemischen Industrie (BAVC). Er sortiert für Kandidaten spannende Berufe vor, die zu ihren Interessen passen. Und dann gibt es da noch das Creative Management Program von Bertelsmann. So heißt das Traineeprogramm des Konzerns, das ausschließlich Geistes- und Sozialwissenschaftler auf eine Karriere als Führungskraft vorbereitet. Um herauszufinden, ob ein Talent hierfür das richtige Mindset mitbringt, bietet der Arbeitgeber den Matcher an, mit dem Kandidaten selbst einschätzen können, ob sie das Zeug für das Management haben.

 

Self Assessment ist nicht gleich Self Assessment

Die Beispiele zeigen: Self Assessments sind nur schwer miteinander zu vergleichen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich weichen sie stark voneinander ab. Genügt es im einen Fall, ein paar Fragen zu beantworten, lassen sich Kandidaten in anderen Fällen darauf ein, in mühsamer Kleinarbeit Strategien zu entwickeln.

Das liegt daran, dass Self Assessments unterschiedlichen Zielsetzungen unterliegen. Manche sind darauf ausgelegt, ein Jobprofil hautnah erlebbar zu machen. Andere Self Assessments versuchen eher Frage zu beantworten, ob ein Kandidat zu einem bestimmten Arbeitgeber passt – ob also der Cultural Fit stimmt. Und wieder andere fragen Kompetenzen ab, die eine grundlegende Voraussetzung sind, um eine Stelle zu ergattern. Das Farbsehvermögen bei Pilotenanwärtern zum Beispiel. Wer damit Probleme hat oder unscharf sieht, erhält die Rückmeldung: Ungeeignet – Bewerbung zwecklos.

 

Hinweis auf die Eignung eines Bewerbers

Oft gibt ein Self Assessment aber nur einen Hinweis auf die Eignung eines Bewerbers.  Dann sollte es für Talente eine von vielen Möglichkeiten darstellen, um die eigene Passgenauigkeit zum Unternehmen zu überprüfen. Zum Beispiel können Arbeitgebern potenziellen Arbeitnehmern den Abgleich der eigenen Fähigkeiten mit den gesuchten Skills erleichtern, indem sie auf ihrer Karriereseite sehr ausführliche Informationen über die Stelle, den Arbeitsplatz, die Werte und die Kultur im Unternehmen geben.

Helfen können auch die Inhalte eines Azubi- oder Mitarbeiterblogs, Bilder aus dem Unternehmen und Videos. Je konkreter das Bild ist, das ein Kandidat von einem Arbeitgeber erhält, umso besser kann er seine eigene Passung bestimmen – mit oder ohne Self Assessment. Zusammen mit diesem ergibt sich dann ein rundes Bild, das Personalabteilungen im Endergebnis wirklich nur Bewerbungen von den Talenten beschert, nach denen sie suchen.

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