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Generation X – Eine Generation zwischen den Welten

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Generation X. Studien beschäftigen sich zuhauf mit den Generationen Y und Z. Vorlieben, Sozialisation, Bedürfnisse – so ziemlich alles wird erforscht. Aber wie tickt eigentlich die vergessene Generation X?

 

 

Die Generation X ist angesichts des Hypes um die Ypsiloner und Zettler auf dem Arbeitsmarkt ein wenig in den Hintergrund gesellschaftlicher Betrachtungen gerückt. Dabei ist auch mit ihr noch lange in der Berufswelt zu rechnen. Ihr gehören die Jahrgänge, die zwischen 1965 und 1980 das Licht der Welt erblickten, an.

Die jüngsten Vertreter der GenX sind also Ende dreißig, Anfang vierzig. Die ältesten befinden sich in ihren Fünfzigern. Arbeitgeber werden also noch lange mit der Generation X zu tun haben, der Sandwich-Generation zwischen den jüngeren Ypsilonern und den älteren Babyboomern.

 

Warum eigentlich Generation X? Eine Definition.

Der Name der Generation X geht auf einen Roman des kanadischen Autors Douglas Coupland namens „Generation X: Tales for an Accelerated Culture“ zurück. Laut einem Lexikoneintrag auf Gründerszene.de wollte Coupland „mit der Variablen X eigentlich darlegen, dass sich diese Generation erfolgreich der Benennungswut der Werbe- und Journalismus-Industrie entzogen hat – und gab ihr paradoxerweise gleichzeitig den Namen.“

Wie tickt die Generation X? Ähnlich wie bei den Babyboomern, den Ypsilonern und der GenZ wird der Generation X ein typisches Set an Merkmalen zugeschrieben.

 

Dazu gehören:

  • Ein relativ hohes Bildungsniveau.
  • Ein ausgeprägtes Konsumverhalten
  • Eine gewisse Interessenlosigkeit
  • Oberflächlichkeit und Egoismus
  • Das Gefühl der Perspektivlosigkeit
  • Desinteresse

 

Wie ist die Generation X aufgewachsen?

Zugegeben: Richtig gut kommt die Generation X dabei nicht weg. Dass ihre Vertreter so beschrieben werden, hat aber seinen Grund. Die Werte der ab 1965 Geborenen wurden stark durch die Zeit geprägt, in der sie aufwuchsen. Ihre Eltern konnten noch stolz auf sich sein. Sie hatten viel bewegt.

 

 

Zu ihren Errungenschaften zählt etwa die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter. Frauen wurden in dieser Ära selbstbewusster und selbstbestimmter. Sie begriffen sich nicht mehr als das Anhängsel ihres Ehemannes, sondern gingen eigene Wege.

Diese Generation zeugte die Generation X. Deren Angehörige wurden allerdings in eine Welt geboren, in der nicht Aufbruchsstimmung, sondern Frustration dominierte. Es gab zunehmend mehr Alleinerziehende und Scheidungskinder. Für die Betroffenen war das eine verzweifelte Lage. Sie fühlten sich oft hin- und hergerissen zwischen Vater und Mutter.

 

Kindheit geprägt von politisch unruhigen Zeiten

Auch in politischer Sicht lief es alles andere als rund. Nach einer verhältnismäßig langen Friedenszeit musste sich die Generation X erstmals wieder mit dem Thema atomare Aufrüstung auseinandersetzen. Es herrschte kalter Krieg und die Angst vor der Zerstörung der Welt durch die Atombombe war greifbar.

Und auch die persönliche Entwicklung stand mehr als in den Sternen. Stichwort: Massenarbeitslosigkeit. Die Aufbruchsstimmung der Wirtschaftswunderzeit lag schon lange hinter Deutschland. Wer einen Job hatte, war froh einen zu haben und tolerierte aus Angst, ihn zu verlieren und vor dem damit verbundenen sozialen Abstieg patriarchische Chefs und starre Hierarchien. Demütigungen und Druck gaben in der Arbeitswelt den Ton an.

 

Die Desillusionierung der Generation X

Solche Realprobleme führten zu einer gewissen Desillusionierung der Generation X, die sich in lauten und disharmonischen Musikrichtungen wie Grunge und New Wave Bahn brach. Immer häufiger wurde das X in Generation X nun mit „excluded“ gleichgesetzt: „ausgeschlossen“.

Was die GenX außerdem prägt: Sie ist die letzte Generation, die die analoge Welt kennengelernt hat. Sie erlebte die Revolution des Computers in jungen Jahren hautnah mit. Ihre Vertreter waren es, die die Digitalisierung ins Rollen gebracht haben.

Daher fühlen sich Angehörige der Generation X häufig als Wandelnde zwischen zwei Welten. Denn mit zunehmender Digitalisierung wandelten sich nicht nur die Lebensgewohnheiten, sondern auch der Arbeitsmarkt. Die rasanter werdende Innovationsgeschwindigkeit infolge der Digitalisierung und der parallel einsetzende demographische Wandel hatten in vielen Branchen für eine steigende Anzahl an Arbeitsplätzen gesorgt. Binnen nicht einmal zehn Jahren gab es wieder unzählig vielen Chancen und Perspektiven.

 

Wandel der Arbeitswelt

Das verschaffte auch Frauen ein neues Standing. Arbeitnehmer erkannten zunehmend, dass es ohne Frauen in der Arbeitswelt nicht geht. Die Vertreterinnen der Generation X können es sich auf die Fahne schreiben, es als erste Generation an die Spitze von Konzernen geschafft zu haben. Das Motto „Lean in – häng’ dich rein und gib nicht auf“ galt für beide Geschlechter, für Frauen der Generation X aber noch ein bisschen mehr.

Daher bewertet die Generation X das Thema Karriere noch immer als besonders wichtig. Sie war aber auch die erste Generation, die mit den Schattenseiten konfrontiert wurde. Der „Burnout“ wurde zum Schreckgespenst der GenX, deren Vertreter dazu neigen, immer ein bisschen mehr machen zu wollen als gut für sie ist. Dabei behalten sie nicht immer ihre körperlichen und psychischen Grenzen im Blick.

Davon distanzieren sich deren Kinder – die Generationen Y und Z. Sie haben zugesehen, wie ihre Eltern die Karriere über alles ging und wie sie körperlich und psychisch daran zerbrachen. Daher leben sie nach dem Motto: Work smart, not hard und setzen die Work Live Balance über alles.

 

Employer Branding für die Generation X

Nur allzu logisch, dass die Generation X bei der Arbeitgeberauswahl auf andere Faktoren Wert legt als die Babyboomer vor und die Ypsiloner nach ihr. Mehr als andere Generationen sind ihr diese Faktoren wichtig:

  • Arbeitsplatzsicherheit – zu lange schwebte das Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit über dem eigenen Kopf.
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf – zu lange litten Frauen unter Ungleichbehandlung. Bessere Betreuungsangebote und eine gerechtere Verteilung von Hausarbeiten auf beide Partner verschaffen Frauen die Chance, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen.
  • Wertschätzende Unternehmensführung – viel zu lange dominierten Angst und Druck in der Arbeitswelt.
  • Ein gutes, angemessenes Einkommen – wer dem sozialen Abstieg entgangen ist, zeigte das gerne nach außen. Nach dem Motto: Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Das prägte die Generation X nachhaltig. Sie legt daher großen Wert auf Statussymbole.

Tipp an alle Arbeitgeber: Wer nach gestandenen, gut ausgebildeten Fachkräften Anfang 40 bist Mitte 50 sucht, die anpacken können, sollte im Rahmen seines Employer Brandings hinterfragen, ob er diese Faktoren bereits genug betont. Bei der Generation X öffnen sie Türen!

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