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Fachkräftemangel Österreich – Zahlen, Daten und Analysen

Der Fachkräftemangel in Österreich ist ein ernstzunehmendes Wirtschaftsproblem. In vielen Bereichen wird es immer schwieriger, offene Stellen mit dem richtigen Personal zu besetzen. In welchen Branchen der Engpass besonders ausgeprägt ist und was Unternehmen tun könnten, damit sich die Lage wied   er bessert.

 

 

Was ist ein Fachkräftemangel und wie wirkt er sich auf die Wirtschaft aus?

Fachkräftemangel – davon ist immer dann die Rede, wenn in der Wirtschaft mehr offene Stellen zur Verfügung stehen, als Arbeitnehmer, die die entsprechenden Aufgaben ausführen können.

 

Ein signifikanter Fachkräftemangel wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf die Wirtschaft aus:

  • Die Dauer, bis eine Stelle neu besetzt werden kann, verlängert sich erheblich.
  • Ein anderes Anzeichen für einen Fachkräftemangel kann eine überdurchschnittliche Gehaltsentwicklung in bestimmten Branchen sein: Dort, wo Arbeitnehmer besonders rar sind, haben sie eine umso bessere Verhandlungsposition in punkto Einkommen.

 

Fachkräfteengpass in Deutschland

In Deutschland steht das Thema Fachkräftemangel schon seit Jahren auf den Agenden von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern sowie der Politik ganz oben. Der größte Bedarf an qualifiziertem Personal herrscht vor allen in diesen Bereichen:

  • Pflege
  • Medizin
  • Handwerk
  • Technische Berufe
  • MINT-Berufe

 

Fachkräftemangel: Die Lage in Österreich

Im Nachbarland Österreich sieht es kaum anders aus. Auch hier klafft eine erhebliche Lücke zwischen der steigenden Zahl an Stellenangeboten und der sinkenden Nachfrage danach. Betroffen vom Fachkräftemangel in Österreich sind ähnlich wie in Deutschland viele verschiedene Branchen, Sektoren und Bereiche.

 

Die Liste der Mangelberufe in Österreich wird angeführt durch die folgenden Jobprofile:

 

  • Schwarzdecker
  • Fräser
  • Techniker mit höherer Ausbildung für Maschinenbau
  • Techniker mit höherer Ausbildung für Starkstromtechnik
  • Dreher
  • Techniker mit höherer Ausbildung für Datenverarbeitung
  • Landmaschinenbauer
  • Diplomingenieure für Maschinenbau
  • Diplomingenieure für Starkstromtechnik
  • Werkzeug-, Schnitt- und Stanzenmacher
  • Diplomingenieure für Datenverarbeitung
  • Dachdecker
  • Schweißer
  • Schneidbrenner
  • Elektroinstallateure
  • Bautischler
  • Diplomingenieure für Schwachstrom- und Nachrichtentechnik
  • Betonbauer
  • Platten-, Fliesenleger
  • Kraftfahrzeugmechaniker
  • Rohrinstallateure
  • Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger

 

Auslöser des Fachkräftemangels in Österreich

Ob sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an offenen Stellen schließen lassen wird? Zweifelhaft, aber auch nicht ganz abwegig! Aber der Reihe nach. Auslöser des nachhaltigen Fachkräftemangels in Österreich ist zunächst einmal der eigentlich als positiv zu wertende wirtschaftliche Aufschwung in der Alpenrepublik, der sich auf dem Arbeitsmarkt immer stärker auswirkt.

Im September 2017 sank etwa die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Das ist der niedrigsten Septemberwert seit 2013. Eine Entwicklung, die sich offenbar weiter fortsetzt. So waren Ende Februar 2018 mit 444.426 Personen rund 31.360 weniger Menschen arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor.

Aktuell haben geschätzte 3.673.000 Personen in Österreich ein unselbständiges Beschäftigungsverhältnis, das sind um 97.000 oder 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit wurde in Österreich auch ein neuer Allzeitbeschäftigungshöchststand für den Februar erreicht.

 

Arbeitnehmer können aussuchen, wo sie arbeiten

Für Arbeitnehmer bedeutet das: Sie können sich größtenteils aussuchen, bei wem sie arbeiten. Doch was des einen Freud ist, wie so oft, des anderen Leid. Während die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern besser und besser wird, verlängert sich in den besonders ausgedünnten Bereichen des Arbeitsmarktes die Liste mit Mangelberufen in immer kürzeren Etappen. Als Mangelberuf gelten übrigens Jobprofile, für die beim Österreichische Arbeitsmarktservice pro gemeldeter Vakanz höchstens 1,5 Arbeitssuchende vorgemerkt sind.

Jüngsten Erhebungen zufolge waren Ende 2017 etwa 60 Berufe betroffen. Ein Jahr zuvor waren es „nur“ 36 Berufe und noch einmal eineinhalb Jahre davor, galten gerade einmal acht Jobprofile als Mangelberufe. Das zeigt, in welcher Geschwindigkeit der Fachkräftemangel in Österreich voranschreitet, wobei das Problem im Westen des Alpenlandes noch einmal ausgeprägter ist als im Osten.

 

Tourismusbranche leidet besonders unter dem Fachkräftemangel

Inzwischen grassiert der Fachkräftemangel in Österreich in einigen Regionen und Bereichen sogar so massiv, dass so manche gemeldeten offenen Stellen überhaupt nicht mehr besetzt werden können. Ganz besonders betroffen hiervon ist zum Beispiel die Tourismusbranche.

Martin Gleitsmann, Arbeitsmarktexperte der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mahnt daher in einem offiziellen Statement zum tatkräftigem Handeln. „Fachkräftemangel ist das Thema Nummer eins – nicht nur in den österreichischen Betrieben, sondern in ganz Europa. Länder wie Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, haben heute eine geringere Arbeitslosigkeit als Österreich. Es wird immer schwieriger, die in Österreich fehlenden Fachkräfte in jenen Ländern zu finden.“

 

Schlummernde Ressource auf dem Arbeitsmarkt wecken

Doch es gibt auch noch andere Möglichkeiten, den Arbeitsmarkt sanieren, ist Gleitsmann überzeugt. Denn parallel zu der länger werdenden Liste an Mangelberufen stieg Ende des letzten Jahres der Anteil der Langzeitarbeitslosen um ein Plus von 17,2 Prozent an. Diese schlummernde Ressource könnte zum Beispiel wieder stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden. Eine weitere Lösung bietet das Employer Branding.

Gleitsmann hat auch Ideen, wie das funktionieren kann. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass ein Konzern weniger qualifizierte Mitarbeiter einstellt, die dann umgeschult werden. Das könnte die Zahl der Mangelberufe über kurz oder lang massiv senken. „Überregionale Vermittlung, Eingliederungsbeihilfen und Weiterbildungen, die direkt in den Betrieben stattfinden, helfen erfahrungsgemäß jenen Menschen, die schon sehr fern vom Arbeitsmarkt sind, am besten und sollten unbedingt forciert werden“, sagt er und findet gleichzeitig lobende Worte für jüngste politische Weichenstellungen. „Die rechtzeitig zu Beginn der Wintersaison lukrativer ausgestattete Entfernungsbeihilfe und der neue Kombilohn für Arbeitslose, die bereit sind, eine entfernte Arbeitsstelle anzutreten, sind ein erster richtiger Schritt.“

 

Frauen und Ältere in den Arbeitsmarkt integrieren

Eine weitere schlummernde Arbeitsmarktressource sind Frauen in der Familienphase und ältere Arbeitnehmer. Derzeit bieten zum Beispiel nur wenige Arbeitgeber wirklich familienfreundliche Bedingungen an, die es Angestellten mit jungen Kindern ermöglichen, Familie und Beruf optimal in Einklang zu bringen.

Durch eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten und des Arbeitsortes sowie der Schaffung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten im Betrieb könnten Frauen jedoch nach der Karenz viel schneller und intensiver wieder in den Beruf integriert werden. Dem Arbeitsmarkt täte das gut.

Was spricht zum Beispiel dagegen, vormittags in geregelten Zeiten dem Job nachzugehen, sich am Nachmittag um den Nachwuchs zu kümmern und am Abend nochmal für das ein oder andere To Do via Firmenlaptop und VPN in das Unternehmensnetzwerk einzuloggen.

Ein weiteres Modell: Ältere dazu zu motivieren, länger zu arbeiten. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass ältere Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber auch gerne über das Renteneintrittsalter hinaus unterstützen möchten. Hier bedarf es Modellen, die es Menschen auch im Rentenalter ermöglichen, zu arbeiten, wenn sie es ausdrücklich wollen. Fazit: Unternehmen sind gegen den Fachkräftemangel nicht chancenlos, sie müssen nur lernen, ihre Trümpfe auszuspielen.