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Durchschnittseinkommen – Deutschland, Entwicklung und Vergleich

Durchschnittseinkommen – was versteht man darunter? Wie setzt es sich zusammen und wie stark geht die Gehaltsschere in Deutschland unter den Geschlechtern, in einzelnen Branchen und auch in den verschiedenen Regionen auseinander? Wir fassen die wichtigsten Informationen zum Durchschnittsgehalt zusammen.

 


 

Durchschnittseinkommen: Was ist das?

Das Durchschnittseinkommen spiegelt die Höhe des Bruttoarbeitsentgelts aller Rentenversicherten wider, das ihnen im Durchschnitt pro Jahr aufs Konto fließt. Der entsprechende Wert wird jährlich von der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates festgestellt und basiert auf Informationen und Erhebungen des statistischen Bundesamtes.

Deutschland schneidet bei vielen Wohlstandsmessungen im Vergleich zu den meisten anderen Ländern im Better Life Index gut ab. Deutschland liegt über dem Durchschnitt in den Bereichen Bildung und Qualifikation, Work-Life-Balance, Arbeit und Einkommen, Einkommen und Wohlstand, Umweltqualität, soziale Beziehungen, Gesundheitszustand, bürgerschaftliches Engagement, Wohnen, persönliche Sicherheit und subjektives Wohlbefinden.

Gute Ausbildung und Fähigkeiten sind wichtige Voraussetzungen für die Arbeitssuche. In Deutschland haben 87% der 25- bis 64-Jährigen einen Abschluss der Sekundarstufe II, mehr als der OECD-Durchschnitt von 78%. Das gilt für Männer mehr als für Frauen, denn 88% der Männer haben die Mittelstufe (z.B. Gesamtschule, Realschule) erfolgreich abgeschlossen, gegenüber 85% der Frauen. Was die Qualität des Bildungssystems betrifft, so erzielte der durchschnittliche Student im OECD-Programm für Internationale Schülerbewertung (PISA) 508 Punkte in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Dieser Wert liegt über dem OECD-Durchschnitt von 486. Obwohl Mädchen in vielen OECD-Ländern die Jungen übertroffen haben, erzielten Jungen in Deutschland im Durchschnitt 2 Punkte mehr als Mädchen.

 

Wie hoch lag das Durchschnittseinkommen in den vergangenen Jahren?

Im Jahr 2018 lag das Durchschnittseinkommen bei ‭45.240‬ Euro pro Jahr oder eben 3.770 € im Monat. Das statistische Bundesamt (kurz Statista) ermittelt diese Werte in gewohnter Regelmäßigkeit. Das entspricht einem durchschnittlichen Monatsentgelt von etwa 3.770 Euro. Geld kann zwar kein Glück kaufen, ist aber ein wichtiges Mittel, um einen höheren Lebensstandard zu erreichen. In Deutschland liegt das durchschnittliche verfügbare Nettoeinkommen der Haushalte pro Kopf bei 34 297 USD pro Jahr und damit über dem OECD-Durchschnitt von 33 604 USD pro Jahr. Aber es gibt eine beträchtliche Kluft zwischen den Reichsten und Ärmsten – die oberen 20% der Bevölkerung verdienen fast fünfmal so viel wie die unteren 20%.

In Deutschland haben rund 75% der 15- bis 64-Jährigen einen bezahlten Arbeitsplatz, der über dem OECD-Beschäftigungsdurchschnitt von 68% liegt. Etwa 79% der Männer sind erwerbstätig, verglichen mit 72% der Frauen. In Deutschland arbeiten mehr als 4% der Arbeitnehmer sehr lange Arbeitszeiten, deutlich weniger als der OECD-Durchschnitt von 11%, wobei 6% der Männer sehr lange Arbeitszeiten haben, gegenüber nur 2% der Frauen. Für die kommenden Jahre 2020 und 2021 wird das Durchschnittseinkommen auf rund 46.000 Euro brutto im Jahr geschätzt. Somit dürften dem Durchschnittsbundesbürger monatlich rund 3.830 Euro im Monat aufs Konto fließen. In der Tendenz steigt das monatliche Durchschnittseinkommen damit von Jahr zu Jahr um ca. 60 Euro pro Jahr an.

 

Update 2019 und 2020

In den vergangen Jahren hat sich das Durchschnittseinkommen gewandelt. So liegt es jetzt – bei einer Vollzeitstelle – bei durchschnittlich ‭46.560‬ € pro Jahr oder 3.880,00 € pro Monat. Netto haben Arbeitnehmer in Deutschland im Schnitt 1.890 € zur Verfügung. Es gibt jedoch auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer verdienen im Schnitt 3.964 € (im Jahr: 47.568 Euro). Frauen verdienen durchschnittlich 3.300 € (im Jahr: ‭39.960‬ €). Dieser Unterschied entsteht einerseits durch gesellschaftliche Strukturen, Unterschiede in der Branche oder auch die Tatsache, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten.

 

Wie beeinflusst Geschlecht das Durchschnittseinkommen?

Frei verfügbare Statistiken und Erhebungen wie der Stepstone Gehaltsreport, die Gehaltsbiografie 2017 und eine Gehaltsstudie von Staufenbiel gehen bei dem Thema Durchschnittsgehalt noch einmal ein wenig mehr ins Detail und kommunizieren nicht nur einen allgemeinen Durchschnittswert, sondern schlüsseln den Verdienst auch nach Faktoren wie Wohnort oder Geschlecht auf. Aus den entsprechenden Statistiken geht zum Beispiel hervor: Frauen verdienen im Bundesdurchschnitt immer noch deutlich weniger als Männer. Im Mittel betragen die Unterschiede bis zu 21 Prozent.

 

Einkommensschere zwischen Frauen und Männern

Damit ist hierzulande der so genannte Gender Pay Gap besonders hoch ausgeprägt. Zum Vergleich: In der europäischen Union liegt der Durchschnitt gerade einmal bei 16 Prozent. Deutschland bildet das Schlusslicht.

Die massive Einkommenskluft zwischen Mann und Frau ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Großteil der Männer in der Tendenz in Wirtschaftsbereichen arbeitet, in denen ganz allgemein ein höheres Einkommen gezahlt wird. Frauen sind hingegen stärker als Männer in Berufsfeldern anzutreffen, die niedriger entlohnt werden. Auch bekleiden nach wie vor mehr Männer als Frauen eine Führungsposition, während Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten.

 

Wie beeinflusst der Wohnort das Durchschnittseinkommen?

Neben dem Geschlecht kann ebenso der Wohnort ausschlaggebend für das Einkommen sein. Auch fast 30 Jahre nach der deutschen Einheit liegen die Gehälter im Westen der Bundesrepublik zum Beispiel nach wie vor über den Werten, die in den neuen Bundesländern gezahlt werden. Besonders gut verdient wird in Hessen und Baden-Württemberg. Weit abgeschlagen sind hingegen die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Dabei ist es nicht allein ausschlaggebend, in welchem Bundesland ein Arbeitnehmer seiner Arbeit nachgeht. Noch einmal deutliche Bezahlungsunterschiede ergeben sich für Angestellte innerhalb der verschiedenen Regionen eines Bundeslandes, je nachdem, ob sie in einem Ballungszentrum leben oder in einer eher strukturschwachen ländlichen Idylle.

 

Unterschiede nach Regionen

So fällt das durchschnittliche Einkommen in Ballungsräumen wie München und um stattliche 20 Prozent höher aus als im bundesdeutschen Schnitt. Die Schlusslichter in punkto Durchschnittsverdienst bilden die Städte Schwerin und Magdeburg, wo die Beschäftigten mit einem fast 25 Prozent geringeren Einkommen als der Rest bundesdeutscher Arbeitnehmer über die Runden kommen müssen.

Auch hierfür gibt es Gründe: So fielen früher die Kosten für Miete, Essen und öffentliche Verkehrsmittel im Osten und ländlichen Regionen erheblich geringer aus als im Westen und in Ballungsgebieten.

Ob dem noch so ist? Fraglich! Kritiker merken in diesem Punkt schon seit Jahren an, dass sich diese Vermutungen nicht mehr belegen lassen, sondern, dass es sich dabei um eher historisch anzusehende Werte dreht. Denn schon lange werden keine Lebenshaltungskosten mehr in den einzelnen Regionen von offizieller Stelle statistisch erfasst. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.

 

Durchschnittsgehalt: Unterschiede nach Berufsgruppen

Einen erheblichen Einfluss auf den Verdienst hat aber nicht zuletzt die Wahl des Berufs. Die Macher des Gehaltsreports 2018 von Stepstone haben sich daher noch die Mühe gemacht, die Durchschnittsgehälter nach Berufsgruppen zu analysieren. Zu den Berufsgruppen mit den höchsten Durchschnittseinkommen zählen demzufolge:

  • Ärzte
  • Banker
  • Ingenieure
  • IT-Ler
  • Juristen
  • Versicherungsexperten
  • Finance-Experten
  • Vertrieb und Verkauf
  • Personalwesen
  • Marketing und Kommunikation
  • Naturwissenschaftliche Forschung
  • Einkauf und Logistik
  • Technische Ausbildungsberufe
  • Architekten
  • Bildungsberufe
  • Administration und Sekretariat
  • Handwerk
  • Pflege

 

Durchschnittsgehälter je Branche

In verschiedenen Branchen gibt es teilweise große Unterschiede. Dies ist einerseits durch Tarifverträge verursacht, aber auch durch Gewinne, welche Unternehmen erzielen können. So ist es zu beobachten, dass seit einigen Jahren die IT-Branche mit immer höheren Gehältern und Bonuszahlungen locken kann. Wir haben eine Übersicht der Durchschnittseinkommen je Branche zusammengestellt:

 

BrancheDurchschnitt pro Monat (brutto)Durchschnitt pro Jahr (brutto)
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen5.394 €64.728 €
Information und Kommunikation5.164 €61.968 €
Energieversorgung5.145 €61.740 €
Freiberufliche, wiss. und tech. Dienstleistungen4.950 €59.400 €
Erziehung und Unterricht4.507 €54.084 €
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden4.249 €50.988 €
Verarbeitendes Gewerbe4.221 €50.652 €
Grundstücks- und Wohnungswesen4.160 €49.920 €
Kunst, Unterhaltung und Erholung4.093 €49.116 €
Produzierendes Gewerbe (insgesamt)4.082 €48.984 €
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung4.001 €48.012 €
Produzierendes Gewerbe (insgesamt) und Dienstleistungsbereich (insgesamt)3.997 €47.964 €
Gesundheits- und Sozialwesen3.955 €47.460 €
Dienstleistungsbereich (insgesamt)3.946 €47.352 €
Sonstige Dienstleistungen3.753 €45.036 €
Handel3.658 €43.896 €
Wasserversorgung3.509 €42.108 €
Baugewerbe3.434 €41.208 €
Verkehr und Lagerei3.105 €37.260 €
Sonstige wirtschaftl. Dienstleistungen2.793 €33.516 €
Gastgewerbe2.450 €29.400 €

 

Die Angaben stammen vom statistischen Bundesamt und sind ohne Sonderzahlungen ausgewiesen.

 

 

Der Umgang mit dem Thema Gehalt

Und noch etwas ist in den Statistiken und Erhebungen zum Durchschnittseinkommen immer mal wieder nachzulesen: Deutschland tut sich schwer mit einem transparenten Umgang mit dem Einkommen. So ist es in anderen Ländern durchaus Gang und Gäbe, das Einkommen offen zu kommunizieren. Deutsche halten sich bei der Beantwortung dieser Frage hingegen allzu gern bedeckt. „Über Geld spricht man nicht – und zwar je weniger, desto mehr man verdient“, lautet gerade im betrieblichen Umfeld meist das Credo. Mit dieser allgemeinen Zugeknöpftheit zum Thema Gehalt könnte es aber bald zu Ende sein.

 

Das Entgelttransparenzgesetz ist da

Denn ab sofort dürfen Beschäftigte unter bestimmten Bedingungen fragen, wie viel ihre Kollegen verdienen. Anspruchsberechtigt ist, wer in einem Betrieb mit mehr als 200 Mitarbeitern arbeitet. Der Anspruch bezieht sich auf Beschäftigte des anderen Geschlechts, die eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit ausüben und muss schriftlich eingereicht werden. So will es das neue Entgelttransparenzgesetz.

Ziel des Gesetzes ist in erster Linie, mit dem Plus an Transparenz dazu beizutragen, dass sich die bestehende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen endlich schließt: Gleicher Lohn für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Beschäftigung und Qualifikation. Ein wichtiger Punkt im internen Employer Branding.

 

Betriebliche Verfahren zur Überprüfung der Lohngleichheit

Das Entgelttransparenzgesetz sieht neben der Offenlegung der Gehälter auch die Einführung betrieblicher Verfahren zur Überprüfung der Lohngleichheit vor: Private Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sind aufgefordert, die Löhne regelmäßig auf die Einhaltung des Gebots der Entgeltgleichheit zu überprüfen und die Beschäftigten über die Ergebnisse zu informieren. Liegen geschlechterspezifische Diskrepanzen vor, ist der Arbeitgeber verpflichtet, nachzubessern.

Zugegeben: Das Gesetz löst viele Probleme, die mit dem Durchschnittseinkommen in Verbindung gebracht werden, erstmal nicht. Dafür ist es auch nicht gemacht. Es gibt beispielsweise keine Antwort auf Fragen nach der Verbesserung der Einkommenssituation in besonders strukturschwachen Regionen, und, und, und.

Was ihm aber gelingt: Das Thema Gehalt stärker in den Fokus der Diskussion zu rücken. Und vielleicht ergeben sich damit parallel zu der Geschlechterdebatte auch Anregungen für weitere Gesetzesentwürfe, die sich zum Ziel setzen, das Thema Durchschnittslohn auch in anderen Bereichen und gerechter zu machen.

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