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Durchschnittseinkommen – Deutschland, Entwicklung und Vergleich

Durchschnittseinkommen – was versteht man darunter? Wie setzt es sich zusammen und wie stark geht die Gehaltsschere in Deutschland unter den Geschlechtern, in einzelnen Branchen und auch in den verschiedenen Regionen auseinander?

 


 

Durchschnittseinkommen: Was ist das?

Das Durchschnittseinkommen spiegelt die Höhe des Bruttoarbeitsentgelts aller Rentenversicherten wider, das ihnen im Durchschnitt pro Jahr aufs Konto fließt. Der entsprechende Wert wird jährlich von der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates festgestellt und basiert auf Informationen und Erhebungen des statistischen Bundesamtes.

 

Wie hoch lag das Durchschnittseinkommen in den vergangenen Jahren?

Im Jahr 2016 lag das Durchschnittseinkommen bei 36.187 Euro per anno. Das entspricht einem durchschnittlichen Monatsentgelt von etwa 3015 Euro. Das Durchschnittsentgelt im Jahr 2017 belief sich auf eine Summe von 37.103 Euro im Jahr, was einem ungefähren monatlichen Durchschnittsverdienst von 3091 Euro entspricht.

Für das laufende Jahr 2018 wird das Durchschnittseinkommen auf 37.873 Euro brutto im Jahr geschätzt. Somit dürften dem Durchschnittsbundesbürger monatlich rund 3156 Euro im Monat aufs Konto fließen. In der Tendenz steigt das monatliche Durchschnittseinkommen damit von Jahr zu Jahr um ca. 60 Euro pro Jahr an.

 

Wie beeinflusst Geschlecht das Durchschnittseinkommen?

Frei verfügbare Statistiken und Erhebungen wie der Stepstone Gehaltsreport, die Gehaltsbiografie 2017 und eine Gehaltsstudie von Staufenbiel gehen bei dem Thema Durchschnittsgehalt noch einmal ein wenig mehr ins Detail und kommunizieren nicht nur einen allgemeinen Durchschnittswert, sondern schlüsseln den Verdienst auch nach Faktoren wie Wohnort oder Geschlecht auf. Aus den entsprechenden Statistiken geht zum Beispiel hervor: Frauen verdienen im Bundesdurchschnitt immer noch deutlich weniger als Männer. Im Mittel betragen die Unterschiede bis zu 21 Prozent.

 

Einkommensschere zwischen Frauen und Männern

Damit ist hierzulande der so genannte Gender Pay Gap besonders hoch ausgeprägt. Zum Vergleich: In der europäischen Union liegt der Durchschnitt gerade einmal bei 16 Prozent. Deutschland bildet das Schlusslicht.

Die massive Einkommenskluft zwischen Mann und Frau ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Großteil der Männer in der Tendenz in Wirtschaftsbereichen arbeitet, in denen ganz allgemein ein höheres Einkommen gezahlt wird. Frauen sind hingegen stärker als Männer in Berufsfeldern anzutreffen, die niedriger entlohnt werden. Auch bekleiden nach wie vor mehr Männer als Frauen eine Führungsposition, während Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten.

 

Wie beeinflusst der Wohnort das Durchschnittseinkommen?

Neben dem Geschlecht kann ebenso der Wohnort ausschlaggebend für das Einkommen sein. Auch fast 30 Jahre nach der deutschen Einheit liegen die Gehälter im Westen der Bundesrepublik zum Beispiel nach wie vor über den Werten, die in den neuen Bundesländern gezahlt werden. Besonders gut verdient wird in Hessen und Baden-Württemberg. Weit abgeschlagen sind hingegen die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Dabei ist es nicht allein ausschlaggebend, in welchem Bundesland ein Arbeitnehmer seiner Arbeit nachgeht. Noch einmal deutliche Bezahlungsunterschiede ergeben sich für Angestellte innerhalb der verschiedenen Regionen eines Bundeslandes, je nachdem, ob sie in einem Ballungszentrum leben oder in einer eher strukturschwachen ländlichen Idylle.

 

Unterschiede nach Regionen

So fällt das durchschnittliche Einkommen in Ballungsräumen wie München und um stattliche 20 Prozent höher aus als im bundesdeutschen Schnitt. Die Schlusslichter in punkto Durchschnittsverdienst bilden die Städte Schwerin und Magdeburg, wo die Beschäftigten mit einem fast 25 Prozent geringeren Einkommen als der Rest bundesdeutscher Arbeitnehmer über die Runden kommen müssen.

Auch hierfür gibt es Gründe: So fielen früher die Kosten für Miete, Essen und öffentliche Verkehrsmittel im Osten und ländlichen Regionen erheblich geringer aus als im Westen und in Ballungsgebieten.

Ob dem noch so ist? Fraglich! Kritiker merken in diesem Punkt schon seit Jahren an, dass sich diese Vermutungen nicht mehr belegen lassen, sondern, dass es sich dabei um eher historisch anzusehende Werte dreht. Denn schon lange werden keine Lebenshaltungskosten mehr in den einzelnen Regionen von offizieller Stelle statistisch erfasst. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.

 

Durchschnittsgehalt: Unterschiede nach Berufsgruppen

Einen erheblichen Einfluss auf den Verdienst hat aber nicht zuletzt die Wahl des Berufs. Die Macher des Gehaltsreports 2018 von Stepstone haben sich daher noch die Mühe gemacht, die Durchschnittsgehälter nach Berufsgruppen zu analysieren. Zu den Berufsgruppen mit den höchsten Durchschnittseinkommen zählen demzufolge:

  • Ärzte
  • Banker
  • Ingenieure
  • IT-Ler
  • Juristen
  • Versicherungsexperten
  • Finance-Experten
  • Vertrieb und Verkauf
  • Personalwesen
  • Marketing und Kommunikation
  • Naturwissenschaftliche Forschung
  • Einkauf und Logistik
  • Technische Ausbildungsberufe
  • Architekten
  • Bildungsberufe
  • Administration und Sekretariat
  • Handwerk
  • Pflege

 

Der Umgang mit dem Thema Gehalt

Und noch etwas ist in den Statistiken und Erhebungen zum Durchschnittseinkommen immer mal wieder nachzulesen: Deutschland tut sich schwer mit einem transparenten Umgang mit dem Einkommen.

So ist es in anderen Ländern durchaus Gang und Gäbe, das Einkommen offen zu kommunizieren. Deutsche halten sich bei der Beantwortung dieser Frage hingegen allzu gern bedeckt.

„Über Geld spricht man nicht – und zwar je weniger, desto mehr man verdient“, lautet gerade im betrieblichen Umfeld meist das Credo. Mit dieser allgemeinen Zugeknöpftheit zum Thema Gehalt könnte es aber bald zu Ende sein.

 

Das Entgelttransparenzgesetz ist da

Denn ab sofort dürfen Beschäftigte unter bestimmten Bedingungen fragen, wie viel ihre Kollegen verdienen. Anspruchsberechtigt ist, wer in einem Betrieb mit mehr als 200 Mitarbeitern arbeitet. Der Anspruch bezieht sich auf Beschäftigte des anderen Geschlechts, die eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit ausüben und muss schriftlich eingereicht werden. So will es das neue Entgelttransparenzgesetz.

Ziel des Gesetzes ist in erster Linie, mit dem Plus an Transparenz dazu beizutragen, dass sich die bestehende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen endlich schließt: Gleicher Lohn für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Beschäftigung und Qualifikation. Ein wichtiger Punkt im internen Employer Branding.

 

Betriebliche Verfahren zur Überprüfung der Lohngleichheit

Das Entgelttransparenzgesetz sieht neben der Offenlegung der Gehälter auch die Einführung betrieblicher Verfahren zur Überprüfung der Lohngleichheit vor: Private Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sind aufgefordert, die Löhne regelmäßig auf die Einhaltung des Gebots der Entgeltgleichheit zu überprüfen und die Beschäftigten über die Ergebnisse zu informieren. Liegen geschlechterspezifische Diskrepanzen vor, ist der Arbeitgeber verpflichtet, nachzubessern.

Zugegeben: Das Gesetz löst viele Probleme, die mit dem Durchschnittseinkommen in Verbindung gebracht werden, erstmal nicht. Dafür ist es auch nicht gemacht. Es gibt beispielsweise keine Antwort auf Fragen nach der Verbesserung der Einkommenssituation in besonders strukturschwachen Regionen, und, und, und.

Was ihm aber gelingt: Das Thema Gehalt stärker in den Fokus der Diskussion zu rücken. Und vielleicht ergeben sich damit parallel zu der Geschlechterdebatte auch Anregungen für weitere Gesetzesentwürfe, die sich zum Ziel setzen, das Thema Durchschnittslohn auch in anderen Bereichen und gerechter zu machen.