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Candidate Experience

 

 

 

Candidate Experience: Definition

Man könnte sagen, dass die Denkweise der Candidate Experience von dem Begriff Customer Experience aus dem Marketing abgeleitet wurde, welcher sich auf positive Erfahrungen mit einem Unternehmen stützt, welche dann die Kaufentscheidung beeinflussen. Gemeint sind also Erfahrungen, die ein Bewerber beginnend bei der Stellensuche über den Bewerbungsprozess bis hin zum Auswahlverfahren mit einem Unternehmen sammelt. Die Reise des Bewerbers nennt man Candidate Journey und grenzt sich ganz bewusst von diesem Thema ab.

 

Anwendungsbeispiele

Spricht man von Candidate Experience befindet man sich im Themenfeld des Employer Branding, welches übergreifend auf ein positives Image bei Arbeitgebern (z.B. in sozialen Netzwerken) und Bewerbern abzielt. Maßnahmen der Candidate Experience dienen dazu die Wahrnehmung von potenziellen Mitarbeitern positiv zu beeinflussen, um so eine Beziehung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Die Maßnahmen wirken zudem multiplizieren, da Bewerber typischer Weise ihre guten wie auch schlechten Erfahrungen mit Freunden, Familie und Bekannten teilen. Mit verstärktem Kampf um sogenannte Talente und Fachkräfte am Arbeitsmarkt ist es für Unternehmen umso wichtiger einen guten ersten, zweiten und dritten Eindruck bei potenziellen Kandidaten zu hinterlassen, denn erwiesener Maßen kann eine schlechte Erfahrung in dieser Zeit bereits zu einer Absage seitens des Bewerbers führen.

 

Nutzen der Candidate Experience

Prinzipiell können gezielte Maßnahmen für eine positive Candidate Expererience von jedem kleinen, mittleren und großen Unternehmen genutzt werden, wobei die Notwendigkeit insbesondere vom Tätigkeitsfeld abhängt. In Märkten mit wenig Knappheit fachlich kompetenter Bewerber ist die Dringlichkeit des Einsatzes weniger hoch als beispielsweise in Märkten mit großem Fachkräftemangel wie beispielsweise in den Bereichen Ingenieurswesen und Kommunikationstechnik. Hier sollte tatsächlich mehr Aufwand in derartige Maßnahmen gesteckt werden, um im Nachhinein die Wahl zwischen den besten Bewerbern zu haben und so spätere Verluste durch nicht-geeignete oder nur zweitklassige Mitarbeiter zu sparen. Gerade auf Management-Ebene spielt dieser Faktor eine übergeordnete Rolle.

 

Beispiele

Die Candidate Experience beginnt bereits bei der Stellensuche seitens des Bewerbers. Laut einer Studie sucht beispielsweise jeder Dritte einen neuen Job via Tablet oder Smartphone. Dies bedeutet für einen Arbeitgeber, dass entsprechende Informationen und Karriere-Websites mobiloptimiert zur Verfügung stellen sollten, um bei dem Suchenden einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Zudem ist eine strukturierte Informationsdarbietung wichtig, wie beispielsweise die klare Nennung eines Ansprechpartners oder die Beschreibung des Bewerbungsablaufs in Stellenanzeigen. Bei der eigentlichen Bewerbung wirkt vor allem ein einfacher Bewerbungsprozess positiv auf die Bewerber. Nicht besonders gut kommen Online-Bewerbungsformulare bei den Kandidaten an, da sie oft viel Zeit kosten und manchmal keine Möglichkeit bieten seine besonderen Fähigkeiten darzustellen. Bewerber präferieren die Möglichkeit, eine Bewerbung per E-Mail oder sogar per Post einzureichen. In allen Fällen ist jedoch auch eine schnelle Reaktion des Unternehmens von den Bewerbern erwünscht – sei es eine konstruktive und persönliche Absage, eine Einladung oder lediglich eine vorläufige Eingangsbestätigung mit der Bitte um etwas Geduld. Das nachgelagerte Experience Management – also die Analyse und Auswertung der gewonnen Daten – sollte immer fester Bestandteil der Personalgewinnung sein.

Die Candidate Experience steht auch im weiteren Verlauf des Auswahlprozesses im Fokus. Bereits mit dem ersten Schritt in die Räumlichkeiten des Unternehmens macht der Bewerber sich einen persönlichen Eindruck. Aus diesem Grund ist ein freundlicher Empfang und eine gute Betreuung und Atmosphäre vor, während und nach dem Interview oder Assessment-Center essenziell. Ebenso wichtig ist ein strukturierter Ablauf, eine durchgehende Kommunikation basierend auf Respekt und eine positive Verabschiedung. Versprechungen wie Work-Life-Balance oder die private Nutzung von Firmen-PKWs sollten natürlich nach der Einstellung nicht als leere Phrasen enttarnt werden. Unternehmen können im Employer Branding immer nur das versprechen, was in der Realität haltbar ist.

Jährlich werden auch die Candidate Experience Awards in der DACH-Region verliehen. Diese Auszeichnung ehrt Unternehmen, welche sich besonders um die Bewerbererfahrung bemühen und diese nachhaltig verbessern. Über Kanäle wie XING, LinkedIn oder Kununu können die Gewinner anschließend mit der Auszeichnung werben. Das HR-Magazin Personalwirtschaft berichtet regelmäßig über den Award. Die Gewinner im Jahr 2015 waren z.B. Firmen wie DZ Bank, EMC Deutschland GmbH oder die Jochen Schweizer GmbH.

Als klare Literaturempfehlung sehen wir die Blogs von Tim Verhoeven und Christoph Athanas, welche sich beide intensiv mit dem Thema beschäftigen.