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Arbeitgeber Bewertung – Portale, Bewertungen, Ziele

So manchem Arbeitgeber stellen sich die Nackenhaare auf, wenn er das Wort nur hört: Arbeitgeber-Bewertung, respektive Arbeitgeberbewertungsplattformen. Es stimmt schon: Auf den einschlägigen Portalen wie kununu oder Glassdoor gehen enttäuschte Mitarbeiter nicht gerade zimperlich mit ihren Ex-Brötchengebern um. Neben ausgewogener Kritik finden sich in den Bewertungen auch immer wieder knallharte Urteile bis hin zu verbalen Total-Ausfällen. Nicht immer sind diese gerechtfertigt. Doch sind Unternehmen dem wirklich hilflos ausgeliefert?

 

 

Was steckt hinter der Idee der Arbeitgeber-Bewertung?

Das Internet hat Bewertungen trendy gemacht. Was zunächst mit Produktbewertungen anfing, hat sich irgendwann auch auf Arbeitgeber ausgedehnt. Die Idee dahinter: Auf Plattformen wie Kununu.com, meinChef.de, meinpraktikum.de oder glassdoor.com tauschen sich Arbeitnehmer über ihren aktuellen oder ehemaligen Arbeitgeber aus und bewerten ihn nach festgelegten Kriterien mit Sternchen, Punkten oder was auch immer.

 

Zur Debatte stehen zum Beispiel:

  • Vorgesetztenverhalten
  • Arbeitsatmosphäre
  • Unternehmenskultur
  • Work Life Balance
  • Entwicklungschancen
  • Kollegenzusammenhalt
  • Karrieremöglichkeiten
  • Gehalt

 

Arbeitgeber-Bewertung: Voll im Trend

Anfangs belächelt, informieren sich auf den Portalen inzwischen immer mehr Arbeitnehmer über Unternehmen und studieren die dort hinterlassenen Arbeitgeber-Bewertungen. Denn die Arbeitgeber-Bewertungsportale werden in Bewerberkreisen immer stärker als neutrale Informations- und Meinungsportale wahrgenommen.

Hier können Talente noch einmal gegenprüfen, ob die Informationen, die sie im Rahmen der Jobsuche einer Karriere-Seite entnommen haben, auch wirklich eins zu eins stimmen. Oder ist hier und da vielleicht doch Schönfärberei im Spiel? Je nachdem, wie der Realitätscheck ausfällt, zahlt das Ergebnis auf die Employer Brand eines Unternehmens ein – oder eben nicht.

 

Bedeutung von Arbeitgeber-Bewertungen: Bitte nicht unterschätzen

Unternehmen sollten die Bedeutung von Arbeitgeber-Bewertungen daher nicht unterschätzen. Laut einer Bitkom-Studie ist die Zahl derjenigen, die sich auf den Online-Plattformen informieren, seit 2015 um stattliche sieben Prozentpunkte gestiegen. Im Durchschnitt hat sich mehr als jeder dritte Internetnutzer (36 Prozent) schon einmal eine Online-Bewertung von einem Unternehmen angeschaut.

Besonders relevant sind diese vor allem für die jüngeren Berufstätigen. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen hat jeder Zweite (52 Prozent) schon einmal eine Online-Arbeitgeberbewertunge gelesen. Und gerade die Gunst dieser Gruppen, also der Generationen Y und Z, ist für Arbeitgeber im Augenblick besonders wichtig. Handelt es sich doch um die heiß begehrten Nachwuchskräfte, die auf dem Arbeitsmarkt besonders dünn gesät sind und die Zukunft der Unternehmen sichern sollen.

 

Kandidaten besser kennenlernen

Bitkom-Expertin Juliane Petrich rät daher: „Arbeitgeber sollten die Bewertungen ernst nehmen und die Chance nutzen, die Erwartungen der Arbeitnehmer an das Unternehmen besser kennenlernen und einschätzen zu können.“ Ob ein Arbeitgeber auf eine Online-Bewertung reagiere und wie, trage sehr zum Image der Firma bei: „Für viele Berufstätige sind Online-Bewertungen die erste Visitenkarte eines Arbeitgebers.“

Unternehmen sollten ihre Bewertungen daher stets im Auge behalten. Gerade, weil Arbeitnehmer auch so manche Verbalklatsche austeilen. Das offenbart eine zweite Studie zum Thema Arbeitgeber-Bewertung unter dem Titel „Arbeitgeber im Kandidatenkatalog“ von der Unternehmensberatung Employer Telling.

Mit markanten Beispielen verschont die Erhebung Arbeitgeber nicht. Während sich manche Arbeitnehmer in ihrer Arbeitgeber-Bewertung etwa über „Käfighaltung in veralteten Büros“ beschweren, beschreiben andere den Karriereabschnitt in einem bewerteten Unternehmen als „absoluten Tiefpunkt in jeder Arbeitsbiographie“.

 

Weitere Verbalattacken, mit der die Studie aufwartet:

 

  • „Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren!“
  • „Wer auf Nerven-Terror & Unmenschlichkeit steht, ist hier richtig!!!“
  • „Man wird gemolken und danach entsorgt“
  • „Kommunikation wie in der Steinzeit, hier funktioniert wirklich gar nichts.“

 

Manche Kandidaten teilen aus, bis es schmerzt

Wie sollten Arbeitgeber damit umgehen? Macht es Sinn, auf die Kommentare zu reagieren? Die Chance dazu geben ihnen die Bewertungsplattformen jedenfalls. Denn Unternehmen können auf Kommentare mit Gegenkommentaren antworten. Wichtig dabei ist: Auf negative Arbeitgeber-Bewertungen und Kritik so konstruktiv und überlegt reagieren wie nur möglich. Bitte nicht aus Wut vorschnelle Antworten in die Eingabemaske hämmern, die einem hinterher leidtun könnten.

Wer etwa wie der Geschäftsführer eines Logistikunternehmens eine negative Bewertung mit folgenden Worten bedenkt, vergrößert den Schaden nur noch: „Da das Erlernen der deutschen Sprache offenbar auch verschwendete Lebenszeit war, ist klar warum ex Mitarbeiter… Wir erwarten schon ein wenig mehr als nur vor der Tür zu parken und den Betriebsfrieden zu stören. Übrigens, das war kein Parkplatz, sondern eine Sperrfläche.“ So rückt man Kritik über schlechten Umgang mit Mitarbeitern bestimmt nicht gerade.

 

Schlechte Arbeitgeber-Bewertung: Contenance wahren

Eine angemessene Reaktion sieht hingegen so aus:

 

  • Wichtig ist, überhaupt zu reagieren.
  • Keine Beleidigungen oder Schuldzuweisungen aussprechen.
  • Keine Standardfloskeln von der eigenen Karrierehomepage kopieren.
  • Stattdessen so neutral wie möglich auf den Angriff reagieren, Bedauern darüber äußern, dass der Bewertende die gemeinsame berufliche Zeit derart negativ erlebt hat und ein Angebot zu einem klärenden Gespräch machen.

 

Wichtig ist, dass die Antwort ein echtes Interesse an einem weiteren Dialog erkennen lässt. Wer als Arbeitgeber derart empathisch und offen mit Kritik umgeht, kann als Marke nur gewinnen und nimmt den harschen Worten des Kritikers viel Wind aus den Segeln. Und gerade bei ungerechtfertigter Kritik gibt es in der Regel auch noch andere Arbeitgeber-Bewertungen, die deutlich positiver ausfallen und den negativen Bewertungs-Ausreißer als Einzelfall enttarnen. Nichtsdestotrotz sollten Arbeitgeber auch Einzelfälle nicht einfach übergehen, ohne dem Ursprung der Missgunst auf den Grund zu gehen. Sie sollten hinterfragen:

 

  • Wie viel Wahrheit steckt dahinter?
  • Ist die Kritik stellenweise berechtigt?
  • Welche Verbesserungen kommen infrage, um solche Negativ-Bewertungen in Zukunft zu vermeiden?

 

Das ist nicht nur wichtig, um den Unternehmensfrieden nach außen, sondern auch nach innen zu wahren. Jede Verbesserungsmaßnahme, die zu nachhaltig zufriedenen Mitarbeitern führt, ist schließlich nicht nur für die externe Employer Brand des Arbeitgebers positiv, sondern auch für das Betriebsklima.