Recruiting Trends: So wird das Recruiting-Jahr 2018 / 2019

  • 22. April 2018
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Digitalisierung in HR: Da besteht noch Luft nach oben. Direktansprache von Kandidaten: Geht so. Social Recruiting: Auf dem Weg! So oder so ähnlich lassen sich die Ergebnisse zusammenfassen, zu denen Forscher kommen, die die aktuellen Recruiting Trends untersucht haben.

 

Top Recruiting Trend: Schnell den richtigen Kandidaten finden

Personaler bewegt vor allem die eine Frage: Wie komme ich im War for Talents an die perfekten Kandidaten? Und das so schnell wie möglich! Und so unkompliziert wie möglich! Das Institute for Competitive Recruiting (ICR) hat die Ergebnisse der Studie „Recruiting Trends 2018“ veröffentlicht. Dieser zufolge geben 95 Prozent der befragten Personaler an, Schwierigkeiten zu haben, offene Stellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen.

Bei einigen Unternehmen bedroht der Fachkräftemangel bereits das Geschäft. Das macht die Rekrutierung von Berufserfahrenen zu einem der Top-Themen im Recruiting. Im Vorjahr war es noch das Arbeitgeberimage, das jetzt auf dem zweiten Platz folgt.

 

Recruiting Trends: Fachkräftemangel dominiert die Debatte

Die Forscher der Universität Bamberg kommen in ihrer der gleichnamigen Studie „Recruiting Trends 2018“, die sie Jahr für Jahr in Kooperation mit dem Karriereportal Monster veröffentlichen, zum gleichen Ergebnis: Der Fachkräftemangel ist das alles beherrschende Thema in der HR-Szene. Die Besetzbarkeitsprobleme nehmen zu und Unternehmen treiben angesichts dessen massive Zukunftssorgen um.

 

Die Wissenschaftler haben aber auch untersucht, inwiefern die Problematik hausgemacht ist und stellten Arbeitgebern in ihrer Studie zum Teil sehr kritische Fragen. Zum Beispiel wollen sie wissen:

  • Nutzen Recruiter wirklich alle modernen, digitalen Mittel aus, die ihnen in der Personalbeschaffung zur Verfügung stehen?
  • Wie groß sind die Lücken, die zwischen technischer Machbarkeit und Unternehmenspraxis klaffen?

 

Ernüchternder Realitätscheck

Soviel vorab: Der Realitätscheck fiel ernüchternd aus. Die meisten Unternehmen hinken den Möglichkeiten, die eine moderne, digital gesteuerte Personalbeschaffung bietet, massiv hinterher. Sehr zum Leidwesen der Kandidaten, die sich von einem stärken Einsatz digitaler Werkzeuge zum Beispiel einen effizienteren Recruiting Prozess versprechen.

Was heißt das konkret? Zu den wichtigsten Recruiting Trends, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, zählt zum Beispiel das Active Sourcing, die Direktansprache von Kandidaten. 59 Prozent der Talente wollen angesprochen werden, anstatt sich selbst zu bewerben. Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozentpunkten seit 2012. Auch bei Recruitern ist Active Sourcing Gang und Gäbe.

Doch gerade Active Sourcing im WWW ist aufwändig, wird es ohne die richtigen technischen Hilfsmittel betrieben. Personalsuchende müssen Lebenslaufdatenbanken durchforsten oder in Businessnetzwerken wie Xing und LinkedIn nach passenden Kandidaten recherchieren, die sie direkt ansprechen wollen. Wer das mit der Hand erledigt, hat viel zu tun.

 

Recruiting Trend: Active Sourcing

Helfen können so genannte Sourcing-Tools. Das Prinzip: Sourcing-Algorithmen durchsuchen Lebenslauf-Datenbanken, soziale Medien und Businessnetzwerke nach passenden Talenten. Zeitgleich und nicht nacheinander! Auch spezielle Fachcommunities wie Github oder Stackoverflow bleiben nicht außen vor. Die gefundenen Informationen werden in einem Kandidatenprofil übersichtlich geordnet. Nun braucht der Recruiter nur noch die geeigneten Kandidaten der Reihe nach anzusprechen.

Active Sourcing wäre also ein Leichtes, wenn Recruiter die Möglichkeiten des Digitalzeitalters angemessen nutzen würden. Doch das tun sie laut der Studie Recruiting Trends der Universität Bamberg nicht. Nur jedes zehnte Unternehmen setzt auf Sourcing-Tools und vergibt sich viele Chancen.

Nicht allein, weil die händische Suche in den einzelnen Portalen viel Zeit kostet, sondern auch, weil sie oft ins Leere führt. Denn oftmals sind gerade Kandidaten mit einem hochspezialisierten Profil nicht auf den allgemeinen Businessnetzwerken zu finden. Sie bewegen sich stattdessen auf hochspezialisierten Plattformen, die Recruiter nicht immer in ihre Suche einbeziehen.

 

Recruiting 4.0: Unternehmen haben Nachholbedarf

Auch in anderen Bereichen des Recruiting 4.0 haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf. Generell ist die Automatisierung von Prozessen zwar akzeptiert. Drei Viertel der Top-1.000- Unternehmen und acht von zehn IT-Unternehmen halten sie für gut.

Doch bei der Umsetzung der aktuellen Trends im Recruiting bleiben Unternehmen oft zögerlich. So nutzen zum Beispiel 45 Prozent der Kandidaten so genante Job-Recommender-Systeme. Diese analysieren ihr Profil und schlagen ihnen geeignete Unternehmen und offene Stellen vor, die perfekt dazu passen.

Das kann zum Beispiel für Talente im Talent-Pool eines Unternehmens spannend sein, die auf diese Weise regelmäßig per Mail Vakanzen erhalten, die für sie relevant sind. Aber nur nur zehn Prozent der Unternehmen setzen auf die Technik, die nicht wirklich neu ist und zum Beispiel in jedem gut aufgeräumten Bewerbermanagementsystem zu finden ist.

 

Chatbots

Ein weiterer Recruiting Trend: Der Einsatz von Chatbots. Das sind Kommunikationsroboter, die Kandidaten auf einer Karrierehomepage in einem Chat automatisiert Fragen zu Karriere, offenen Stellen oder Arbeitgeberleistungen beantworten. Die Hälfte der Kandidaten würden sie bei der Jobsuche auch gern nutzen. Allerdings bieten nur knapp drei Prozent der Top-1.000-Unternehmen Chatbots an.

Dabei geht klar aus der Studie der Uni Bamberg hervor. Die Top-Performer im Recruiting nehmen sich aktuelle Recruiting Trends wie die Einführung von Chatbots sehr zu Herzen, setzen damit auf ein Plus an Service gegenüber Kandidaten und auf eine Entlastung für ihre Recruiter. Auf diese Weise verschaffen sie sich einen entscheidenden Vorteil im War for Talents.

 

Unternehmen, die nicht mit der Zeit gehen, vergraulen Kandidaten

Im Vergleich zum Wettbewerb sind ihre Prozesse unter Zuhilfenahme moderner Technik schneller für Kandidaten, was diese deutlich mehr schätzen, als zu lange auf eine Reaktion eines Arbeitgebers warten zu müssen. Dass sich Unternehmen das nicht mehr leisten können, zeigte bereits im Jahr 2016 die Bewerbungsstudie von Indeed. Dieser zufolge haben 42 Prozent der befragten Kandidaten schon einmal einen Bewerbungsprozess abgebrochen, weil ihnen dieser zu kompliziert war oder zu lange gedauert hat.

Doch nicht in allen Bereichen der aktuellen Recruiting Trends falten Unternehmen so offensichtlich die Hände im Schoß wie bei den vorangegangenen Beispielen. So ist zumindest das Social Recruiting inzwischen in der Personalbeschaffung fest etabliert. Hier werden Unternehmen zunehmend professioneller in der Umsetzung, wie die Studie Recruiting Trends 2018 zeigt. Die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen stimmt Social Media mit anderen Personalbeschaffungsaktivitäten ab. Knapp ein Viertel hat darüber hinaus Erfolgskontrollen etabliert – immerhin ein Anstieg um acht Prozentpunkte gegenüber 2013.

Tendenz hoffentlich weiter steigend. Denn Unternehmen mit expliziter Social-Media-Strategie sind in der Personalbeschaffung fast doppelt so erfolgreich wie der Durchschnitt. Wer die Nase vorn haben will schult seine Mitarbeiter, kennt die Zielgruppen, die er ansprechen will – und das lieber gestern als heute. Denn gut Ding will zwar manchmal Weile haben. Aber laut der aktuellen Recruiting Trends-Studien, ticken die Uhren in der Personalbeschaffung anders als in anderen Bereichen. Hier ist der Mut zur schnellen Veränderung die einzige Chance im War for Talents.

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