Personalmarketing und Employer Branding in Offenbach: Besonderheiten einer Dienstleistungsstadt

  • 7. Februar 2017
  • 0 Kommentare

Leider steht Offenbach am Main schon immer im Schatten seiner großen Schwester Frankfurt. Dabei entwickelt sich die Stadt stetig zu einer modernen Dienstleistungsmetropole. Wir stellen die Region und besonders ihren Arbeitsmarkt vor.

 

Mit ihren rund 130.000 Einwohnern ist Offenbach am Main lediglich die fünftgrößte hessische Stadt. Sie ist fest im Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main verankert und kooperativ über einen Regionalverbund mit diesen verbunden. Ehemals eine Industriestadt mit besonderem Fokus auf die Lederwarenindustrie entwickelt sich die Stadt heute vor allem in ein Dienstleistungszentrum. Dabei präsentiert sich die Stadt als arbeitgeber- und arbeitnehmerfreundliche Stadt, geprägt von viel Grün wie auch Shopping Möglichkeiten.

 

Der größte Arbeitgeber: Die Stadt

Der größte Arbeitgeber der Stadt ist die Stadt selbst. Der Stadtkonzern bestehend aus (Stadtverwaltung Offenbach, Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe, Energieversorgung Offenbach AG und Sparkasse Offenbach) stellt insgesamt 5.000 Arbeitsplätze und bildet 16 verschiedene Berufsbilder und Fachrichtungen aus. Vom Beruf des Verwaltungsfachangestellten oder dem B.A. Public Administration ist alles dabei.

Die Stadt ist jedoch nicht nur als Arbeitgeber tätig, um Arbeitnehmern den Standort schmackhaft zu machen. Mit dem „Masterplan Offenbach“ arbeitet das Stadtmarketing aktiv daran Fachkräfte in die Region zu locken. Ziel der Zusammenarbeit von Stadt und Wirtschaft ist es „der Stadtentwicklung in Offenbach einen verbindlichen Rahmen“ zu geben. Das Ergebnis eines von Transparenz und Bürgerbeteiligung geprägten Prozesses ist ein Entwicklungskonzept, das dafür sorgen soll, dass die hohe Verschuldung der Stadt durch Zuzug von Menschen und Unternehmen abgebaut wird. 2015 wurde dieses veröffentlicht.

Der Plan enthält vor allem infrastrukturelle und städtebauliche Maßnahmen. Unter anderem wurde für vier Stadtteile die zukünftige Entwicklung entworfen: Der Dienstleistungsstandort „Kaiserlei“, soll als Tor in die Stadt geprägt sein von zukunftsorientieren Unternehmen; Der „Nordend-Designport“ soll als Ort für junge Kreative Farbe in die Stadt bringen; Mit dem „Innovationscampus Main“ soll ein Raum für Arbeit und für Menschen in enger Anbindung zur Stadt entstehen; Letztlich soll „Quartier 4.0“ ein Ort für informationstechnisch geprägte Lebens- und Arbeitskultur sein. So schafft Offenbach eine Aufbruchsatmosphäre, die sowohl Arbeitgebern wie auch Arbeitnehmern zugutekommt.

 

In Konkurrenz mit der Nachbarschaft

Von den 100 größten Unternehmen in Hessen kommt nur ein Unternehmen aus Offenbach. Der Autozulieferer „GKN Driveline“, der unter anderem in der Elektromobilität tätig ist, schafft es mit 2.500 Mitarbeitern auf Platz 50 der Liste. Im Umkehrschluss bedeutet dies, im gleichen Bundesland haben 49 Unternehmen eine größere Mitarbeiterzahl, einige liegen nur knapp darunter. Alle buhlen sie um die begehrten Fachkräfte der Region. Gerade Frankfurt am Main als Finanzzentrum und Dienstleistungsmetropole stellt eine direkte Konkurrenz für die Region Offenbach dar.

Für die Unternehmen des Standorts ist Employer Branding und geschicktes Personalmarketing damit von enormer Relevanz. Es gilt Arbeitnehmer auf Offenbach als attraktiven Standort aufmerksam zu machen und im nächsten Schritt die Fachkräfte zu halten. Ohne Marketing-Maßnahmen wird Offenbach im Vergleich mit Frankfurt stets den Kürzeren ziehen. Da ist es wichtig Standortvorteile, wie geringere Lebenshaltungskosten, mehr Grün und weniger Verkehr herauszuarbeiten. Nach innen gilt es die Arbeitgebermarke wirken zu lassen, damit einmal geworbene Mitarbeiter nicht an die örtlich nahgelegene Konkurrenz verloren gehen.

 

Sinnvolles Personalmarketing & Employer Branding am Rande der Großstadt

Für das direkte Personalmarketing nutzt die Stadt Offenbach, für ihre Rolle als Arbeitgeber, die stadteigene Homepage. Hier findet Potentieller Firmennachwuchs neben Stellenangeboten aus allen Bereichen des Konzerns Offenbach, auch die Positionierung der Stadtverwaltung als Arbeitgebermarke. Insbesondere werden hier Angebote für Arbeitnehmer wie flexible Arbeitszeiten, Teil- und Heimarbeit oder Gesundheitsmanagement in den Vordergrund gestellt. Auf der Facebookseite der Stadt werden außerdem, neben Veranstaltungshinweisen und regionalen Nachrichten, auch Stellenanzeigen ortsansässiger Unternehmen geteilt.

GKN Driveline als größtes ansässiges Unternehmen nutzt unter anderem Twitter als Kanal, um neben den üblichen Wegen auf neue Stellen aufmerksam zu machen. Mit dem Hashtag „Engineering“ versehen weist die Firma auf Karrieremöglichkeiten hin. Auf der Karriereseite weisen Testimonials auf die Benefits einer Mitarbeit bei GKN hin. Übersichtlich kann von da aus auf Stellenanzeigen navigiert werden. Zugegeben, diese befinden sich in ganz Deutschland und weltweit, aber auch für Offenbach sind Stellen zu besetzen.

Auch der mittelständische Übersetzungsdienstleister EVS Translations ist in Offenbach ansässig. In seinen Stellenanzeigen machen sie keinen Hehl daraus, am „Rande der Großstadt“ Frankfurt zu liegen, was schließlich auch ein Standortvorteil sein kann. Stattdessen werben sie mit attraktiven Sozialleistungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Wissensaustausch. So kann ein Unternehmen einen scheinbaren Nachteil positiv besetzen und ausgleichen.

 

3 Ansätze für Firmen in Großstadtnähe

Für eine erfolgreiche Employer-Branding-Strategie mit wirkungsvollem Personalmarketing, bedarf es in einer Stadt wie Offenbach anderer Ansätze als eine Großstadt. Hier sind 3 Ansätze, wie die Nähe zur Großstadt zum Vorteil genutzt werden kann.

 

  1. Stellen Sie die Standortvorteile in den Vordergrund: Niedrigere Mieten und Anfahrtswege, mehr Grün und weniger Verkehr, sind für viele Arbeitnehmer ansprechende Argumente.
  2. Nutzen Sie für das Personalmarketing regionale und überregionale Kanäle. Über Regionalität erreichen Sie möglicherweise Mitarbeiter, die bereits ortsansässig sind und über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken. Über die überregionalen Kanäle erreichen Sie im besten Fall Fachkräfte, denen der Standort kein Begriff ist.
  3. Die Konkurrenz schläft nicht. Sorgen Sie dafür, dass die Arbeitgebermarke nach innen wirkt, und sich Mitarbeiter mit ihr zu identifizieren. Gepaart mit firmeninternen Benefits kann dies eine Fluktuation deutlich verringern.

 

Die Ansätze zeigen, Personalmarketing und Employer Branding können den Standort eines Unternehmens aufwerten. Selbst in einer großen Konkurrenzsituation kann, wie das Beispiel Offenbach zeigt, die Einzigartigkeit eines Unternehmens hervorgehoben und die passenden Mitarbeiter rekrutiert werden.

0 Kommentare

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.