Geld für ein Bewerbungsgespräch? Interview mit Dr. Stefan Knoll von Deutsche Familienversicherung

  • 2. März 2020
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Diese Kampagne lässt einen ungläubig schauen: Ein Unternehmen bietet 500,00 € für ein Bewerbungsgespräch und sogar 5.000 Euro für eine Einstellung. Klar, dass so etwas hintergfragt werden. Statt aber nur über die Initiatoren zu sprechen habe ich mich entschieden mit den betreffenden Persone zu sprechen. Hier das Interview mit Dr. Stefan Knoll, Gründer der Deutschen Familienversicherung.

 

Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor.

Dr. Stefan Knoll: Ich bin Jurist, Offizier und Unternehmer mit über dreißigjähriger Führungserfahrung. Im Jahr 2007 habe ich mit meinem mittlerweile verstorbenen Geschäftspartner die Deutsche Familienversicherung gegründet und das Unternehmen 2018 als erstes funktionierendes Insurtech Europas an die Börse gebracht. Die DFV deckt als digitales Versicherungsunternehmen die komplette Wertschöpfungskette ab und bietet Versicherungsprodukte an, die Menschen wirklich brauchen und sofort verstehen. Auf Basis unseres hochmodernen und skalierbaren, in-house entwickelten IT-Systems setzen wir mit durchweg digitalen Produktdesigns sowie der Abschlussmöglichkeit über digitale Sprachassistenten neue Maßstäbe in der Versicherungsbranche.

 

Dr. Stefan Knoll

Dr. Stefan Knoll

 

Wie ist die Kampagne entstanden und welche Idee steckt dahinter?

Bisher ist es uns schon gelungen, unser enormes Wachstum mit gerade einmal 116 Mitarbeitern zu bewerkstelligen. Allerdings müssen wir uns angesichts des sich abzeichnenden Wachstumskurses in 2020 und der Verdoppelung unseres Bestandes im kommenden Jahr nun auch personalseitig erheblich vergrößern. Bei der Konzeption unserer aktuellen Recruitingkampagne war es uns wichtig, innovative Wege zu gehen, da qualifizierte Mitarbeiter – insbesondere im Bereich IT – aktuell rar gesät sind. Gleichzeitig haben wir ein besonderes Augenmerk auf Klarheit und einfache Verständlichkeit gelegt. So verstehen potenzielle Mitarbeiter von Anfang an, worauf es bei der DFV ankommt und welche Ziele wir uns stecken.

 

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Wie stehen Sie zu dem Argument, dass Sie besonders „geldgeile“ Menschen anziehen?

Recruiting kostet immer Geld. Unser Ansatz ist allerdings, dass unsere zukünftigen Mitarbeiter etwas von diesen Geldern abbekommen. Unser attraktives, speziell für Bewerber entwickeltes Incentive-Modell ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Recruitingkampagne; wir heben uns damit deutlich von gewöhnlichen Personalgewinnungsmaßnahmen ab. Dank unseres mehrstufigen Bewerbungsprozesses, der unter anderem ein Erstgespräch und ein Zweitgespräch beziehungsweise Assessment Center umfasst, werden wir Interessenten, deren Bewerbung vorwiegend monetäre Beweggründe hatte, schnell identifizieren.

 

Wie begegnen Sie dem Argument, dass Sie aus Budgetgründen „Grenzkandidaten“ nicht einladen? (also Menschen, die nicht 100% den Anforderungen entsprechen)

Wir haben noch nie „Grenzkandidaten“ eingeladen. Und dennoch haben wir so viele Bewerbungen pro ausgeschriebener Position, dass wir im Zweifel ablehnen können. Tatsächlich wollen wir als Innovationstreiber der Versicherungsbranche hochqualifizierte Mitarbeiter, die Lust haben, etwas zu bewegen und mit uns die Branche vor uns herzutreiben. Unser komplexes Auswahlverfahren wird uns dabei helfen, jede der ausgeschriebenen Stellen mit dem am besten dafür geeigneten Bewerber zu besetzen.

 

Die Kampagne polarisiert enorm. Besonders, weil fraglich ist, ob Sie auch interne Maßnahmen anstoßen werden. Was sagen Sie dazu?

Die Deutsche Familienversicherung ist bislang kein Unternehmen, das einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Umso mehr wollen wir als spannender und attraktiver Arbeitgeber in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet auf uns aufmerksam machen. Das schaffen Sie nicht mit langweiligen „We Want You“-Plakaten oder anderen altbekannten Recruiting-Maßnahmen. Ein neuer Ansatz musste her, und wenn wir damit polarisieren und Aufmerksamkeit generieren, umso besser.

 

Stichwort Mut: Es gibt auch hier unterschiedliche Meinungen. Einige sagen, dass es mutig sei, so aktiv um Kandidaten zu werben. Andere sagen es sei die pure Verzweiflung. Was war der Antrieb dieser Idee?

Mut ist die falsche Kategorie. Hochqualifizierte Fachkräfte, wie wir sie benötigen, sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit knapp, werden aber überall gesucht. Nicht umsonst sind wir meines Wissens nach das erste und einzige Unternehmen Deutschlands, welches mit einer derartigen Kampagne nach neuen Mitarbeitern sucht. Hinzu kommen zwei weitere Aspekte: Erstens bilden wir als Versicherungsunternehmen mit Sitz in der Bankenmetropole Frankfurt eher eine Ausnahme. Dadurch ist es keineswegs ein Selbstläufer, direkt vor Ort fähiges beziehungsweise branchenaffines Personal zu rekrutieren. Außerdem herrscht in der Stadt sowie im gesamten Rhein-Main-Gebiet nahezu Vollbeschäftigung. Das bedeutet, wir müssen die Leute aus ihren bisherigen Jobs abwerben oder aus anderen Regionen Deutschlands zu uns bewegen. Bei diesem „Kampf um Köpfe“ braucht es gewisse Anreize – auch finanzieller Natur.

 

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Können Sie vielleicht schon erste Zahlen / Erfolge der Kampagne berichten?

Mittlerweile liegt die Zahl der Bewerbungen, die wir für die insgesamt 55 zu besetzenden Stellen bislang erhalten haben, bei ca. 1.700. Unsere Sponsoring-Maßnahmen beim Heimspiel unseres Premium-Partners Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg am 07. Februar haben der Kampagne noch einmal einen ordentlichen Schub gegeben. Unter anderem haben wir bei dieser Partie 35.000 Unternehmensflyer verteilt und waren auf den Werbebanden am Spielfeldrand präsent. Weiter war der Spot zu unserer Personaloffensive vor, während und nach dem Spiel auf dem großen Videowürfel in der Mitte des Stadions zu sehen. Bislang entwickelt sich die Kampagne genauso, wie wir es uns vorgestellt haben.

 

Wie sind die Stimmen aus der Belegschaft zu diesem Vorgehen?

Ich habe das Unternehmen 2007 mit eigenem Geld gegründet und die Erfolge der Deutschen Familienversicherung wären ohne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht möglich. Nicht zuletzt deswegen haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anlässlich des Börsengangs Aktien erhalten. Daher wissen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie wichtig sie für uns sind und haben die neue Personalkampagne sehr positiv angenommen. Viele Kolleginnen und Kollegen sind ja auch in unserem neuen Personalspot selbst zu sehen und werden immer häufiger von Freunden und Bekannten auf die Kampagne angesprochen.

 

Wurde die Kampagne intern entwickelt oder war eine Agentur beteiligt? Wenn ja, welche Agentur?

Die gesamte Kampagne wurde intern entwickelt. Aufgrund unserer Struktur und schnellen Entscheidungswegen gelang uns dies in nur zwei Wochen. Diese Vorgehensweise unterstreicht einmal mehr den Wesenskern der Deutschen Familienversicherung – wir reden nicht, wir machen es einfach. Und bevor irgendeine Agentur unsere Wünsche nicht nach unseren Vorstellungen umsetzt, machen wir es lieber gleich selbst.

 

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Wie soll die Kampagne fortgesetzt werden?

Wir sind mit unserer Recruitingkampagne in allen relevanten Kanälen präsent. Das schließt sämtliche soziale Netzwerke und Karriereportale ebenso ein wie die klassische „Out of Home“-Werbung in Form von Plakaten. Letztere sind seit dem 11. Februar in ganz Frankfurt und der näheren Umgebung an allen neuralgischen Punkten und stark frequentierten Orten zu sehen. Dazu zählen beispielsweise der Hauptbahnhof, bedeutende Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs, der Flughafen und große Einfallstraßen im gesamten Stadtgebiet. Es soll am Ende schließlich niemand behaupten können, er habe nicht gewusst, dass die Deutsche Familienversicherung 55 neue Mitarbeiter sucht. Schon jetzt ist klar: Wir können jede ausgeschriebene Stelle besetzen.

 

Abschlussworte & Kommentar von Jakob Osman

Weder ich noch die Agentur Junges Herz sind oder waren an der Kampagne beteiligt. Die Deutsche Familienversicherung war und ist auch kein Kunde bei mir/uns. Ich habe mich bewusst entschieden dieses Interview nicht zu kommentieren, da ich die Ansätze selbst für extrem spannend halte, den Diskurs aber definitiv nicht beeinflussen möchte. Ich bin für gespannt auf Kommentare und Meinungen. Wie gewohnt bei Twitter oder LinkedIn.

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